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Museum des Begreifens
Variationen eines museumspädagogischen Projektes
im Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin

Benjamin J. Wehry
Für meine geliebten Eltern,
die das Museum des Begreifens überhaupt erst möglich gemacht haben

 

Das museumspädagogische Konzept archäologischer Museen beruht hierzulande meist auf der einseitigen Inanspruchnahme des visuellen Sinnes. Archäologische Funde werden dem Museumsbesucher mehr oder weniger aufbereitet in Vitrinen präsentiert. Dabei kann zwischen drei Präsentations-Kategorien unterschieden werden:
Zur ersten Kategorie gehören jene Vitrinen, die das Exponat lediglich zeigen, bezeichnen und datieren. Ihr Informationsgehalt ist gering und greift nicht über diese Angaben hinaus. Dadurch ist der museumspädagogische Lesewert dieser Vitrinen eingeschränkt.
Die zweite Präsentations-Kategorie bietet einen erweiterten Informationsgehalt. Mehrere Exponate werden in ihrem Fundzusammenhang oder in einer Gruppe präsentiert. Gemeinsame Aspekte können dabei z.B. gleiche typologische Merkmale sein, die erkennbar eine Kulturerscheinung definieren, die Variationsbreite von Funderscheinungen einer Kultur oder typologische Veränderungen, die eine Entwicklung innerhalb einer chronologischen Dimension zeigen. Texte vermitteln dem Besucher über das Informationsminimum von Bezeichnung und Datierung hinaus Fachkenntnisse, wie geografische, zeitliche und/oder kulturelle Zusammenhänge, die noch bei Präsentationen der ersten Kategorie vorausgesetzt werden. Der museumspädagogische Lesewert der zweiten Präsentations-Kategorie liegt höher, da die Exponate sichtbar in einen größeren Zusammenhang gestellt werden. Die Vermittlung solcher Informationen geschieht allerdings mittelbar und auf einer anderen als der visuellen Rezeptionsebene der Exponate, oft verbunden mit einem Durchlesen langwieriger Texte, eine Art des Wissenserwerbs, der z.B. Schülern bei einem gemeinsamen Museumsbesuch kaum zuzumuten ist.
Die dritte Präsentations-Kategorie gleicht diese Informationen daher der visuellen Rezeptionsebene der Exponate an. Grafiken, Karten und/oder Rekonstruktionen setzen komplizierte Sachverhalte in Piktogramme um und machen sie auf diese Weise leichter und schneller zugänglich. Der museumspädagogische Lesewert ist sehr hoch, weil der Museumsbesucher nicht zwischen zwei Rezeptionsebenen wechseln muss, sondern Informationen über die Exponate ebenso unmittelbar visuell erfassen kann wie die Exponate selbst. Dennoch bleibt auch die dritte Präsentations-Kategorie auf den visuellen Sinn beschränkt.
Eine ebenfalls traditionelle Art der musealen Wissensvermittlung stellen verbale Museumsführungen dar. Der Museumsbesucher muss sich nicht selbst um die Auswahl der Exponate und um die Erschließung von Informationen bemühen, sondern bekommt alles kompakt in einer Vorauswahl serviert. Das pädagogisch auf die Gruppe zugeschnittene Führungsgespräch bietet zudem die Möglichkeit, mit dem Fachpersonal zu interagieren, Unverständnisse auszuräumen und nachzufragen. Das gesprochene Wort erweitert die visuellen Sinneseindrücke des Besuchers durch eine Inanspruchnahme des Gehörsinnes.

Das Museum des Begreifens
Ein Museumsbesuch wird durch diese beiden eher passiven Sinne bestimmt. Um das Erlebnis eines Museumsbesuches um den aktiven Tastsinn zu bereichern, habe ich, mit Unterstützung der Mitarbeiter des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, das Projekt Museum des Begreifens konzeptionell entwickelt und in das museumspädagogische Angebot integriert. Grundlage des Konzeptes ist meine jahrelange Führungstätigkeit als Mitarbeiter der Besucher-Dienste der Staatlichen Museen Berlin.
Die Doppeldeutigkeit dieses Namens ist Programm: Das Museum des Begreifens bietet die Faszination, archäologische Fundstücke im Original mit den Händen anzufassen und zu begreifen. Dank einer Ausnahmeregelung des Museums für Vor- und Frühgeschichte kann den Museumsbesuchern, meist Schulklassen, aber auch anderen angemeldeten Besuchergruppen, in Verbindung mit einer Verbalführung durch die Ausstellungsbereiche Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit eine Auswahl von archäologischen Funden vor Augen geführt werden. In einem Dialog werden zuerst die visuell erfassbaren Merkmale, wie Form, Farbe, Verzierung und Erhaltungszustand herausgestellt und erklärt. Während ein herkömmlicher Museumsbesuch auf eine solche visuelle und verbale Rezeption beschränkt bleibt, werden diese Exponate nun begreifbar: Jeder Besucher nimmt diese archäologischen Realien in die Hand und begreift (im doppelten Sinn) ihre nicht sichtbaren, wohl aber erfahrbaren Aspekte wie Gewicht, Material, Handhabung und Tauglichkeit. Auf der Grundlage dieser praktischen Erfahrungen können in einem dritten Teil Informationen über Herstellungsweise, Funktion und Bedeutung einzelner Realien sowie eine Einbindung in einen historischen Zusammenhang leichter erarbeitet werden.
Zudem illustrieren Rekonstruktionen den praktischen Gebrauch unmittelbar. Das grundsätzliche technische Problem der Verbindung von Griff und Klinge oder Nachteile bei der Anwendung einer Gewandnadel, die mittels eines dem Schnittmuster älterbronzezeitlicher Originalfunde nachempfundenen Mantels deutlich gemacht werden, regen Überlegungen zu Alternativen an. Das Ergebnis sind typologische und funktionale Entwicklungsreihen mit chronologischen Aspekten, die eine Einbindung der archäologischen Realien in einen historischen Zusammenhang überhaupt erst vermittelbar machen.
Der aktive Umgang mit den Originalfunden aus dem Tragekasten des Museums des Begreifens veringert die Distanz nicht nur zum Exponat, sondern auch zur Einrichtung Museum. Die Praxis im Führungsablauf hat gezeigt, daß das sinnliche Erlebnis des Begreifens mit den Händen für ein Begreifen mit dem Verstand förderlich ist.

Ursprünge
Das Museum des Begreifens steht in der Tradition des Projektes „Urgeschichte für den Unterricht“, das mit ähnlichen Zielsetzungen Ende der 60er Jahre konzipiert und bis in die 90er Jahre am Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin durchgeführt wurde. Anders als beim Museum des Begreifens war ein eigener Schulsaal im zweiten Obergeschoß unverzichtbarer Bestandteil dieses Projektes. Neben dem sinnlichen Begreifen originaler Fundobjekte ermöglichte diese räumliche Situation das praktische Ausprobieren kulturtechnischer Fertigkeiten wie Töpfern, Treiben, Ziselieren oder Feuersteinbearbeitung. Die Sonderausstellungen „Kinder sehen die Ur- und Frühgeschichte“ 1979 und „Die Ur- und Frühgeschichte und das Alte Ägypten im Blick Berliner Kinder“ 1984 in diesem Schulsaal zeigten schöpferische Arbeiten von Kindern zum Thema und sind darüber hinaus Indiz für den einstigen Stellenwert einer innovativen und erfolgreichen Museumspädagogik in den Staatlichen Museen Berlin. Die Zusammenführung der Sammlungsbestände und die daraus resultierende Raumnot führte 1992 zur Schließung des Schulsaals und bedeuteten das Ende des Projektes „Urgeschichte für den Unterricht“. Einige Elemente dieses museumspädagogischen Konzeptes wurden in das gegenwärtige Museum des Begreifens integriert.
Die Notwendigkeit, die Einrichtung Museum als Bildungsstätte durch praktisch orientierte, museumspädagogische Angebote leichter zugänglich zu machen, wird durch eine unabhängige, aber homologe Konzeption an den Ostberliner Museen deutlich. Im Rahmen des „Pädagogischen Kabinettes“ wurden seit 1975 im Museum für Ur- und Frühgeschichte Berlin (Ost) die sogenannten „Kabinettgespräche“ mit Schulklassen der 4. und 5. Klassenstufe durchgeführt. Dabei wurden in ähnlicher Weise originale archäologische Fundstücke haptisch untersucht und kulturgeographisch sowie chronologisch eingeordnet.
Anregungen für die Konzeption des Museums des Begreifens geben ähnliche Projekte in vielen Museen Deutschlands und außerhalb. Drei Beispiele seien herausgegriffen: Die prähistorische Dauerausstellung des Historischen Museums der Pfalz in Speyer ist seit der Wiedereröffnung im September 2004 mit Installationen ausgestattet, die Kinder und Erwachsene zum Anfassen und Ausprobieren herausfordern. In angemessener Höhe gut erreichbar ist z.B. neben Exponaten provinzialrömischer Gefäßkeramik ein durchsichtiger Kasten aus Plexiglas angebracht, in dem sich vier originale Gefäßfragmente unterschiedlicher Form, Farbe und Machart befinden. Durch handgroße Öffnungen sind sie mit den Händen begreifbar, können hochgenommen und ertastet werden, müssen wegen ihrer Größe jedoch im Kasten verbleiben. Nur wenig Text, dafür Piktogramme und Grafiken direkt über dieser Installation machen zusätzliche Informationen zu Verwendung, Herstellung und Funktion des jeweiligen Gefäßes leicht abrufbar. Dieses und weitere museumspädagogische Angebote des 1999 gegründeten „Jungen Museums Speyer“ sind mit dem Bild des Löwen JuMus gesondert gekennzeichnet und bilden einen eigenständigen, sinnlich erlebbaren Rundgang innerhalb der prähistorischen Dauerausstellung.
Durch ein museumspädagogisches Sonderprojekt in der Prähistorischen Staatssammlung München, das bereits 1976 entwickelt wurde, sollen archäologische Ausstellungen auch jenen zugänglich gemacht werden, denen visuelle und auditive Möglichkeiten des Wissenserwerbs aufgrund eines Handicaps fehlen. Mittels einer repräsentativen Auswahl archäologischer Leitfunde in Original und Nachbildung werden die haptischen Eigenschaften im Moment des Anfassens auch für Nicht-Sehende begreifbar. Durch festgefügte typologische Reihen werden zudem technische Entwicklungen bestimmter Realiengruppen und die damit verbundene chronologische Dimension erfahrbar.
Das Forhistorisk Museum Moesgård in Højbjerg bei Århus/Dänemark bietet jedem Besucher das Erlebnis, archäologische Fundstücke im Original selbständig zu erkunden. Geeignete Objekte, z.B. berührungsunempfindliche Armbrustbolzen aus dem Mittelalter, sind in Installationen und Rekonstruktionen integriert und fordern zum Anfassen und Begreifen heraus. Die eigenen Erfahrungen mit dem Exponat verbinden sich mit den Informationen, die die zugehörige Rekonstruktion vermittelt, zu einer umfassenden Kenntnis des Objektes und seiner wissenschaftlichen Aussagen. Dass dies weitgehend ohne Texterfassung oder verbale Aufbereitung geschehen kann, erklärt die Beliebtheit dieses archäologischen Museums gerade bei Schulklassen und ausländischen Besuchern.

Reaktionen
Das Museum des Begreifens war ursprünglich als zeitlich begrenzte Überbrückungsmaßnahme zur Kompensation der umbaubedingten Schließung einiger Ausstellungsbereiche des Museums für Vor- und Frühgeschichte konzipiert. Da die ambulante Darreichungsform in einem tragbaren Kasten mit Schubfächern und Sichtfenster (siehe Foto) nicht an feste Räumlichkeiten gebunden ist, wurde das Museum des Begreifens im Kreis der Teilnehmer direkt in den Ausstellungsräumen durchgeführt. Seit der Wiedereröffnung der Ausstellungsbereiche Steinzeit und Bronzezeit sowie des „Virchow-Studios“ mit angeschlossenem Arbeitsraum im August 2003 ist eine neue räumliche Situation geschaffen, die eine größere Varianz sowie erweiterte Anwendungsgebiete und Zielgruppen für das Museum des Begreifens ermöglicht. Folglich entwickelten sich flexiblere Strukturen der Wissensvermittlung, die leicht an Kenntnisstand, Interesse und Fähigkeiten der jeweiligen Gruppe angepasst werden und somit weniger von Gleichförmigkeit und Wiederholung bedroht sind. Das Museum des Begreifens bleibt auch nach der Wiedereröffnung aufgrund der großen Nachfrage, insbesondere vieler Lehrer, fester Bestandteil des Führungsgeschehens.
In den Jahren 2003 und 2004 kamen außerhalb der Ferienmonate Juli und August durchschnittlich 1000 Schüler pro Monat in den Genuß des Museums des Begreifens, in den Wintermonaten lag die Zahl bei etwa 1200 Schülern noch höher. Dabei zeigte sich, dass es gerade die Aura der Originalfunde ist, die Faszination und Ehrfurcht bewirkte, obwohl viele Museen und Schulen eine Sammlung archäologischer Repliken als Anschauungsmaterial für Schüler besitzen. Wurde zunächst noch ungläubig nachgefragt, ob es sich tatsächlich um originale Fundstücke handelt, bewirkte offenbar die persönliche Erfahrung der haptischen Eigenschaften der Funde des Museums des Begreifens eine intuitive Unterscheidung zwischen Original und Kopie.

Das Schulprojekt Bronzezeit
Das Schulprojekt Bronzezeit wurde erstmals im Oktober 2001 in der Astrid-Lindgreen-Grundschule in Berlin-Staaken durchgeführt. Dieses Projekt bietet die Möglichkeit, den Schülern den Themenkomplex der Bronzezeit als eine der interessantesten Menschheitsepochen auch außerhalb des Museums näherzubringen, ohne dabei auf die fachgerechte Aufbereitung und die fachkundige Vermittlung verzichten zu müssen. In Absprache mit dem Lehrer können zudem der Kenntnisstand der Schüler und besondere Themenbereiche berücksichtigt werden. Lediglich das Erlebnis Museum, der Museumsbesuch, der für viele Schüler noch immer etwas Besonderes darstellt, findet nicht statt. Das Schulprojekt Bronzezeit umfasst in der Regel zwei Schulstunden und ist in zwei methodisch unterschiedliche Teile aufgegliedert.
Der erste Teil von etwa 40 Minuten stellt die Erarbeitung von Fachwissen in den Mittelpunkt. Dies geschieht mittels eines Dialoges, dessen thematische Basis eine Diaschau ist, die ähnlich den Exponaten im Museum den Gesprächsstoff liefert. Dabei kann insbesondere auf Dias zurückgegriffen werden, die archäologische Funde in der oben beschriebenen dritten Präsentations-Kategorie pädagogisch aufbereiten. Für das Verständnis komplizierter Sachverhalte sind daher weniger Erklärungen nötig, ein Umstand, der zu einer Zeitersparnis führt, die den Fragen und Bedürfnissen der Schüler zugute kommt. Zudem ist die Diaschau nicht, wie eine Museumsführung, auf die Themenauswahl und den Bestand des Museums beschränkt, sondern kann auch auf andere Themenkomplexe ausgeweitet werden.
Parallel zu Dialog und Diaschau spielt jeder Schüler für sich und in gewisser Konkurrenz zueinander das sog. „Bronzezeit-Bingo“, das eigens für dieses Schulprojekt entwickelt wurde. Dieses Spiel besteht aus einem Spielplan mit neun Feldern, auf denen die Umzeichnungen von bronzezeitlichen Funden abgebildet sind. Diese Funde kommen in der Diaschau vor und werden ausführlich erklärt. Erkennt der Schüler den Fund auf dem Dia und kann er diesen einer Strichzeichnung auf dem Spielplan zuordnen, darf er diese mit einem Kärtchen abdecken. Der erste, der alle neun Felder abdecken kann, ruft laut „Bingo“ und ist der Sieger des Spiels. Ein erster, zweiter und dritter Preis ist der Anreiz für die Bemühung, jedes Dia genau zu betrachten, den Fund zu erkennen und als Umzeichnung auf dem Spielplan wiederzuerkennen. Das „Bronzezeit-Bingo“ baut einen Spannungsbogen auf, der die Aufmerksamkeit der Schüler auf Dialog und Diaschau konzentriert.
Nach der Preisvergabe, z.B. ein Poster oder ein Buch, die auch an die Klassengemeinschaft vergeben werden können, folgt der zweite Teil des Schulprojektes Bronzezeit, das Museum des Begreifens. Dabei orientiert sich die Auswahl der originalen Fundstücke an der Diaschau und an den Umzeichnungen des „Bronzezeit-Bingos“. In methodisch abgewandelter Form wird nun der im ersten Teil erfolgte Wissenserwerb auf die Probe gestellt. In der oben beschriebenen Weise wird das visuelle Erkennen von Formen um die praktische Erfahrung des Umganges mit diesen Originalstücken erweitert und gefestigt. Das Einkleiden eines Schülers in den rekonstruierten, bronzezeitlichen Mantel ist fester Bestandteil und gerät mit originalen bronzenen Kleidungsapplikationen und Trachtausstattungsstücken zu einem Lebensbild, das den Schülern als Rekonstruktion bereits vom Dia bekannt war. Eine besondere Attraktion im Verlauf der Diaschau stellte in der Astrid-Lindgreen-Grundschule die Demonstration von Klang und Anblastechnik einer Lure dar. Gestalt und Handhabung dieser bronzezeitlichen Blasinstrumente waren im Dia zu sehen. Dazu wurde aufgrund der Ähnlichkeit der Luren mit Blechblasinstrumenten von heute und mittels eines einfachen Signalhornes mit Trompetenmundstück Lautstärke, Klangfarbe und Tonumfang dieser Luren unmittelbar hörbar rekonstruiert.

Die eigene Altsteinzeit-Ausstellung
Besondere Anpassung an den Kenntnisstand von Schülern der 4. Klassenstufe erforderte eine Sonderführung mit dem Thema Paläolithikum. Da dieser Themenkomplex im Museum für Vor- und Frühgeschichte gemäß der oben beschriebenen ersten Präsentations-Kategorie von der durch das hohe Alter der Exponate gegebenen auratischen Wirkung bestimmt wird und museumspädagogisch kaum aufbereitet ist, musste auf eine andere Präsentationsmöglichkeit ausgewichen werden; dabei konnte auf die Erfahrungen mit dem museumspädagogischen Konzept des Museums des Begreifens zurückgegriffen werden. Die Schüler erarbeiteten eine eigene Altsteinzeit-Ausstellung. Sechs hohe hölzerne Museumshocker gliederten den Themenkomplex Paläolithikum für die Schüler sichtbar in sechs größere Themenbereiche, die mit dem Lehrer abgesprochen und durch grafische Darstellungen illustriert wurden. Jedes Thema musste auf der kleinen, quadratischen Sitzfläche der Hocker präsentiert werden. Durch genaues Anschauen und Anfassen stellten die Schüler aus einem breiten Spektrum von Originalfunden des Paläolithikums typische Merkmale heraus, z.B. die scharfe Kante oder die stumpfe Schlagseite eines Geröllgerätes, die typischen Formen des Faustkeils und des Levallois-Abschlages oder die Widerhaken einer Harpune aus Knochen, und erschlossen im Dialog die Funktionen der Geräte, Vor- und Nachteile im praktischen Gebrauch und verschiedene Herstellungstechniken. Dies versetzte die Schüler in die Lage, die Werkzeuge selbständig in eine entwicklungsgeschichtliche und damit auch chronologische Abfolge zu bringen. Die solcherart begriffenen Realien konnten nun den ausgewählten Themenbereichen, wie den Evolutionsstufen des Menschen oder den verschiedenen Funktionen und Herstellungstechniken, zugeordnet und auf den quadratischen Museumshockern präsentiert werden. In einem abschließenden Rundgang durch die eigene Altsteinzeit-Ausstellung brachten einzelne Schüler, die als Museumsführer fungierten, die durch die Realien rekonstruierte Lebensweise paläolithischer Menschengruppen mit den grafisch dargestellten Lebensbildern in Einklang.

Ausblick
Das neueröffnete Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin präsentiert den insbesondere für Kinder und Schüler konzipierten „Virchow-Saal“ zu prähistorischen Techniken und habitären Entwicklungen. Neben einer traditionellen Wissensvermittlung liegen die Schwerpunkte hier vor allem in der Möglichkeit des praktischen Umganges mit Realien und Rekonstruktionen. Zudem findet das Museum des Begreifens in der durch die Neugestaltung verbesserten räumlichen Situation wiederum Erweiterung: Das Trium Sehen Hören Anfassen wird sukzessiv durch weitere museumspädagogische Projekte zur schöpferischen Tätigkeit im Arbeits- und Aktionsraum des neuen Museums für Vor- und Frühgeschichte bereichert.

Museum des Begreifens, Exponate und Tragekasten
Das Museum des Begreifens
Exponate und Tragekasten

dazu erschienen:
Publikationen zum Museum des Begreifens